Samstag, 3. Oktober 2009

Ich geh' mit meiner Laterne...

Jetzt kommt nun endlich der Bericht von dem Mondfest an meiner Schule. Um 6 Uhr kamen wir dorthin und hörten schon ein lautes Kinderlied, das uns durch den ganzen Abend begleiten sollte. Einige Kinder kamen auf mich zugelaufen und riefen "teacher", was zwar einerseits ein schönes Gefühl war, weil sie mich erkannten, andererseits aber auch noch sehr ungewohnt ist, weil ich mich so gar nicht als "teacher" fühle. Viele der Kinder waren verkleidet oder sehr schick angezogen. Ziemlich bald wurden wir allerdings zur Seite genommen und uns wurde abseits des Geschehens Essen vorgesetzt, bis eine Weile später die Direktorin kam und uns zur Bühne führte, wo die Vorführungen der Kinder begonnen hatten. Es ist etwas schwierig, mit dieser Sonderbehandlung umzugehen, denn ich glaube, dass ich viel mehr von der Zeit habe, wenn ich bei den Kindern sitze und dasselbe mache wie die Lehrer. Aber ich weiß natürlich auch, dass das alles nur gut gemeint ist.
Es kamen einige Vorführungen, von denen ich allerdings so gut wie gar nichts verstanden habe, bis der Laternenumzug begann. Bis ich ging, haben sie allerdings keine Laternenlieder gesungen, sondern sind nur durch die Straßen gelaufen.
Insgesamt war es ein sehr interessanter Abend, der dann noch mit einem Essen unserer gesamten Freiwilligengruppe aus Can Tho fortgesetzt wurde - ich habe das erste Mal Frosch gegessen und finde, er schmeckt etwas wie Fisch...Gestern hatte ich dann einen sehr ruhigen Tag. Morgens bin ich mein Fahrrad reparieren gegangen; es war zwar etwas doof, dass ich "so viel" Geld bezahlen musste, obwohl ich dieses Fahrrad nicht kaputt gemacht habe, aber immerhin ist es jetzt funktionstüchtig.
Danach war ich eine Weile hier, habe etwas geschlafen (diese vielen neuen Eindrücke machen wahnsinnig müde...), Wäsche gewaschen etc. Am späten Nachmittag sind wir zwei andere Freiwillige besuchen gefahren und waren abends essen.
Heute habe ich mir mehr vorgenommen: Ich möchte etwas durch die Stadt laufen (oder fahren, das weiß ich noch nicht) und auf jeden Fall einige Pagoden anschauen. Von außen sehen sie alle sehr schön aus und ich bin gespannt, wie das von innen ist.
Unten noch einige Bilder von dem Mondfest, obwohl die Bilder das, was ich gesehen habe, nur sehr begrenzt zeigen können.
Eure Clara
















Freitag, 2. Oktober 2009

Erste Eindrücke aus Can Tho













Hier ein paar erste Eindrücke aus Can Tho. Ganz unten seht ihr die Statue von Ho Chi Minh in Can Tho. Darüber eine Marktstraße und ganz oben einige Bilder von unserem Ausflug zu dem Schwimmenden Markt.


Ausflug zum Schwimmenden Markt

Heute morgen hieß es mal richtig früh aufstehen, denn um halb 7 wollten wir in der Stadt sein, um zum schwimmenden Markt zu fahren. Mir fällt es schwer, daran zu denken, dass die Aufstehzeit von heute morgen - Viertel vor 6 - wohl im nächsten Jahr zur Gewohnheit werden wird, wenn wir entweder um halb 7 schon mit den Kindern frühstücken wollen oder um 7 anfangen müssen zu arbeiten. Ziemlich müde gingen wir also los und suchten nach einem Boot. Wie immer in der Stadt wird man sehr schnell angesprochen und so war es auch ein leichtes, den Preis für das Boot um die Hälfte herunterzuhandeln. Wir schipperten eine Weile auf dem Mekong entlang vorbei an Palmenwäldern und vielen Häusern, die auf Stelzen ins Wasser gebaut worden sind, bis wir den schwimmenden Markt erreichten. Ich hatte erwartet, dass mehr Betrieb dort herrscht, aber er ist eben mittlerweile wirklich nur noch für Touristen gemacht, von denen viele nicht wie wir in einem kleinen Boot für uns allein, sondern in großen Booten kommen, in denen sie auch nichts kaufen können. Ich habe aber eine Wassermelone erstanden und fand es schon sehr interessant, das Treiben auf dem Wasser zu beobachten. Insgesamt war es also ein lohnender Ausflug, den man einfach unternehmen muss, wenn man hier in Can Tho ist. Und so haben wir das "Haupttouristenprogramm" hinter uns. ;)
Danach haben wir noch etwas eingekauft und sind dann zurückgegangen, wo ich noch eine Weile geschlafen habe. Seitdem ist nicht viel passiert, aber heute ist auch ein anstrengender Tag, weil es schwüler ist als die letzten Tage. Heute Abend werden wir in unsere Schule gehen, weil dort das Mondfest gefeiert wird. Ursprünglich wurde immer erzählt, dass Mondfest sei erst morgen, aber vielleicht ziehen sie an unserer Schule das Fest auch vor. So wie ich das verstanden habe, wird der Abend in etwa ablaufen wie bei uns der Martinstag - ein Laternenumzug, bei dem einige Lieder gesungen werden. Am Ende führen die Kinder wohl noch etwas vor; ich bin gespannt darauf!
Gestern hat sich im Bezug auf das nächste Jahr einiges geklärt. Mittags sind wir zur Schule gefahren und haben am Matheunterricht teilgenommen. Die Lehrerin, die gleichzeitig die Schulleiterin ist, hat uns sofort ins kalte Wasser geworfen und uns unterrichten lassen. Ich war in einer dritten Klasse und es war wirklich eine Herausforderung, weil ich mit den Abläufen und Gewohnheiten in der Schule einfach noch gar nicht vertraut bin. Die Klasse war trotz lediglich 15 Schülern sehr laut. In der "Snackpause" entschieden wir ziemlich spontan, dass ich das nächste Jahr den Matheunterricht übernehmen werde; zumindest für das nächste halbe Jahr. Danach können wir auch eventuell wechseln. Nach der Pause schaute ich noch beim Englischunterricht zu - die Eindrücke dieser ersten beiden Nachmittage in der Schule muss ich erst mal verarbeiten.
Als wir zurückkamen, gingen wir bald wieder los, um unser zukünftiges Haus anzuschauen. Von außen ist es rosa - passend für zwei Mädchen ;) - und in den Außenbereichen etwas dreckig, aber innen ist es sehr schön und es ist Wahnsinn, dass wir zu zweit ein eigenes Häuschen haben. Vorne ist ein kleiner Vorgarten, durch den man in das Haus hineingeht, wo man zunächst ins Wohnzimmer kommt. Von dort kann man durch einen Flur in die beiden Zimmer gehen und gelangt am Ende in die Küche, in der auch ein Esstisch steht. Von der Küche aus kann man auf den Balkon, der aber genauso wie der Vorgarten noch sehr dreckig ist. Es scheint, als achte der derzeitige Bewohner nicht unbedingt auf Sauberkeit, aber bevor wir einziehen wird sicherlich noch saubergemacht und wenn uns das nicht ausreicht, müssen wir eben selbst noch etwas Hand anlegen. Die Vermieterin ist auch sehr nett, nur leider spricht sie viel besser Französisch als Englisch, wodurch ich bei Gesprächen nichts verstehe. Aber ich freue mich dennoch auf den Einzug in das Haus. Es liegt in einer kleinen Gasse und in der Umgebung wohnen wohl noch weitere Ausländer. Außerdem liegt es weiterhin relativ zentral.
Soweit die Ereignisse der letzten beiden Tage. Jetzt muss ich noch schnell duschen, bevor wir losfahren müssen zum Mondfest - mein Ein-Pedal-Fahrrad wartet. :)
Eure Clara

Mittwoch, 30. September 2009

Zwei Stunden an der VietMy-Grundschule

Nachdem ich gestern meinen Blogeintrag verfasst hatte, war ich zunächst essen. Ich habe das erste Mal hier in Vietnam Pho gegessen und es war sehr gut. Wir haben sogar ein Brötchen, das wirklich wie Brötchen aussah und geschmeckt hat, und eine Tasse Grünen Tee zum Essen bekommen. Anschließend sind wir zurückgegangen, wo wir aber bald losfahren mussten zur Schule. Ich habe mich also auf mein Fahrrad gesetzt und bin mit nur einem Pedal und wackelndem Lenkrad gestartet. Es ging erstaunlich gut, aber unsere Grundschule ist mit dem Fahrrad auch nur 5 bis 10 Minuten von unserem Haus entfernt. Als wir dort ankamen, suchten wir eine der drei Personen, die wir in dem Gespräch kennengelernt hatten, fanden aber keine. Auf der Suche kamen wir an vielen Kindern vorbei, die alle "Hello" schrien, klatschten und uns anstarrten. Die ganz mutigen fassten uns auch an und fanden es toll, weiße Haut zu berühren. Diese ersten Minuten haben für alles, was in der letzten Zeit schwierig war, entschädigt und die Vorfreude auf das nächste Jahr gestärkt. Da wir aber immernoch keinen fanden, setzten wir uns vor dem Schulgebäude auf eine Bank und warteten, bis die Sekretärin kam. Sie setzte sich zu uns und wir unterhielten uns eine Weile mit ihr. Sie ist mir sehr sympathisch und kann sehr gut Englisch. Sie sorgt jetzt auch dafür, dass mein Fahrrad repariert wird. :)
Als wir dort saßen, war rechts neben uns ein Raum mit den Kindergartenkindern (die Kinder sind hier von 20 Monaten bis 11 Jahre alt). Sie hatten gerade Mittagsschlaf gemacht und kamen ganz verschlafen aus dem dunklen Raum. Die Sekretärin schlug vor, wir könnten mit ihnen spielen. Deshalb setzten wir uns in den Raum - ohne Sprachkenntnisse war es allerdings schwierig, einen Kontakt zu den Kindern herzustellen, die selbst auch sehr schüchtern und zurückhaltend waren.
Um 3 Uhr kam die Englischlehrerin, bei der wir heute im Unterricht zuschauen sollten. Sie unterrichtet "Communication", was so ziemlich dasselbe ist wie normaler Englischunterricht. So gingen wir mit ihr in den Klassenraum, wo uns die Kinder alle anschauten und uns gleich zwei Stühle brachten. Über der Tafel hing eine vietnamesische Flagge und ein Bild von Ho Chi Minh, was zu Beginn etwas überraschend zu sehen war. Im Unterricht hatten sie, glaube ich, gerade das going to-Future gelernt. Wir mussten uns im Unterricht am Anfang vorstellen und sagen, wo wir herkommen etc., und später über Outdoor Activities in Deutschland berichten. Am Ende spielten wir noch ein Vokabelspiel, bei dem es um Wortreihen ging. Das war ganz lustig, mi welchem Elan die Kinder und auch die Lehrerin dieses Spiel spielten. Nach dem Spiel gingen wir wieder und fuhren mit dem Fahrrad zurück. Auf dem Rückweg habe ich mich total verfahren und bin durch halb Can Tho geradelt. Eigentlich ist das ja keine schlechte Sache, weil ich einige schöne Orte gesehen habe, aber es hat gleichzeitig geschüttet und mein Fahrrad hatte weiterhin nur ein Pedal. Und so kam ich nach etwa 40 Minuten total durchnässt hier wieder an.
Nach einer kleinen Verschnaufpause trafen wir uns abends noch mit allen Freiwilligen, die im Moment hier in Can Tho sind, und kochten Spaghetti - das hatte ich auch schon lange nicht mehr. Es war sehr gut, aber wir mussten bald wieder weg, um noch pünktlich wieder "zu Hause" zu sein.
Heute werde ich um 2 noch mal in einem Unterricht zuschauen - es wird das Fach Mathe sein. Danach müssen wir uns entscheiden, denn es wird einer Communication machen und der andere Mathe und Science. Morgen wird die Entscheidung sicherlich fallen müssen.
Bis dahin schaue ich erst mal heute, wie mir der Matheunterricht gefällt.
Eure Clara

Dienstag, 29. September 2009

Ausführlich aus Can Tho

An meinem zweiten Morgen in Can Tho habe ich gerade eine so gute Internetverbindung, dass ich mich ausführlicher melden kann. Also beginne ich mal, von vorne zu erzählen: Nachdem ich meinen Blogbericht verfasst hatte, ging es bald los zum Flughafen. Ich war froh, als wir alle eingecheckt hatten und in das Flugzeug steigen konnten. Der Flug war ziemlich turbulent und ich wäre einige Male gerne ausgestiegen - besonders die Landung war etwas gewöhnungsbedürftig, weil das Flugzeug immer tiefer flog, unter uns aber der Mekong war. Ich glaube, wir wären fast im Mekong gelandet. Glücklich, dass ich heil angekommen bin, war ich etwas überrascht über das winzige Flughafengebäude, das es in Can Tho gibt. Aber da ich nach der Landung sowieso beschlossen habe, nicht unbedingt wieder mit dem Flugzeug reisen zu müssen, sondern eher einen Bus oder Zug zu nehmen, ist das ja egal. Mit Taxis ging es dann erst zu einem Hotel, wo unsere Betreuerin und vier andere Freiwillige, die in andere Städte im Mekong-Delta gehen, wohnen. Wir fuhren dann von dort aus zu unseren Unterkünften. Als wir in diesem Haus ankamen, waren die Vermieter leider nicht da. Es war etwas eigenartig, durch ein Haus zu gehen, dessen Besitzer man nicht kennt. Die Zimmer sind sehr schön - mein Bad ist relativ klein, was das Duschen immer zu einem kleinen Problem macht, weil sie halb über dem Waschbecken und halb über dem Klo ist und man beim Duschen das halbe Bad überschwemmt, aber dafür habe ich einen Balkon, auf dem ich gerade sitze und schreibe. Die Umgebung, in der wir im Moment wohnen, gefällt mir auch sehr gut. Wir wohnen zu Fuß etwa eine Viertelstunde von der "Innenstadt" entfernt, wo die Ho-Chi-Minh-Statue steht. Eine Minute entfernt ist ein Park, der aber nur sehr klein ist und etwas verunstaltet wurde durch ein Riesenrad und diverse andere Dinge. Unsere Straße ist mehr eine Gasse mit Häusern, die zwar teilweise von außen etwas heruntergekommen wirken, aber innen sicherlich sehr gut ausgestattet sind.
Unsere Familie besteht, soweit ich das richtig mitbekommen habe, aus Mutter, Vater und einer Tochter, die im Grundschulalter sein müsste. Sie scheinen sehr westlich zu leben, denn am ersten Abend hat die Tochter gleich eine englische Zeichentricksendung geschaut. Ansonsten haben wir aber noch nicht allzu viel von der Familie mitbekommen. Am ersten Abend haben wir sie begrüßt, als sie nach Hause kamen, aber die Kommunikation ist schwierig. Sie wollten uns abends zum Essen einladen, doch wir waren schon verabredet mit unserer ganzen Freiwilligengruppe. So wurde das Essen verschoben und ich hoffe sehr, dass es noch stattfindet.

Nachdem wir am Montag also hier angekommen waren, haben wir uns schon bald wieder mit den anderen zum Essen getroffen. Das Essen ist hier sehr viel weniger fettig als in Hani und schmeckt sehr gut. Was ich allerdings bisher noch gar nicht gesehen habe, sind Garküchen, aber wir werden bestimmt schon welche finden, wenn wir uns hier ein bisschen besser auskennen.

Gestern mussten wir schon um halb 8 los, um ein Gespräch in unserer Schule zu führen. Die Schule liegt direkt am Mekong, was total schön ist. Sie ist sehr klein, aber hat direkt nebenan eine "Badmintonhalle". Das Gespräch führten wir mit zwei Betreuerinnen, der Schulleiterin, einer Englischlehrerin und einer Sekretärin (ich glaube, das sie das war...). Es war sehr interessant und aufschlussreich. Danach wurden wir durch die Schule geführt - die Kinder sind sehr süß und haben uns immer gewunken, als wir in die Klassen schauten. Insgesamt hat die Schule 5 Jahrgänge mit jeweils einer Klasse, in der zwischen 15 und 28 Kinder sind. Man merkt daran, dass es eine Privatschule ist - in den staatlichen Schulen gibt es wohl über 50 Kinder pro Klasse. Die Schule ist auch sehr gut ausgestattet mit Computern und Keyboards für den Musikunterricht. Am Montag werden wir "richtig" beginnen zu arbeiten.

Danach fuhren wir mit der Englischlehrerin und der Schulleiterin irgendwohin, wo wir Fahrräder für ein Jahr leihen konnten. Leider ist meins nur total kaputt und die beiden konnten mich nicht verstehen. Da war ich ziemlich verzweifelt und ich hoffe, dass mir heute vielleicht jemand helfen wird. In meiner Verzweiflung war es gut, dass wir uns mit den vier anderen Freiwilligen trafen und Obst kauften, um es am Mekong zu essen. Wir saßen dort und schon bald kamen einige Vietnamesinnen mit ihren Kindern - ich konnte sie leider nicht verstehen, aber ich glaube, sie wollten uns zeigen, wie wir das Obst richtig schälen sollten. Es war ganz lustig, dass wir für sie anscheinend die Attraktion des Tages waren, und es ist schön, wie offen man hier immer angesprochen wird.
Nachdem wir noch kurz in einem Cafe waren, das zwar kein Vergleich zu vielen Cafes in Hanoi war, aber, soweit ich weiß, WLAN hat und eine Möglichkeit für Internetzugang wäre, gingen wir in einen Supermarkt. Ein paar Kekse sind ja immer gut hier zu haben und außerdem bin ich jetzt stolze Besitzerin eines Messers, eines Tellers und eines Bechers (einen Löffel habe ich noch aus Hanoi). Das ist ganz praktisch, weil wir hier zwar die Küche mitbenutzen dürfen, aber ich Dinge wie Obst auch gerne hier auf dem Balkon esse. Um 1 war ich dann im Hotel, weil ich eigentlich die Englischlehrerin wegen meines Fahrrads treffen wollte, hatte dann ein nettes Gespräch mit dem schon erwähnten Vietnamesen und war dann kurz im Internet. Anschließend ging ich zurück und war so müde, dass ich mich bald hinlegte und eine Weile schlief. Um halb 6 kamen die vier anderen Freiwilligen, um sich unsere Zimmer anzuschauen, blieben aber nicht lange, weil wir um Viertel vor 6 zum Essen verabredet waren - unsere Schulleiterin, die gleichzeitig auch Leiterin einer Universität hier in Can Tho ist, wo drei andere Freiwillige von uns arbeiten, hatte uns und unsere beiden Betreuer eingeladen. Wir aßen in einem tollen Restaurant neben dem Victoria Hotel (DAS Hotel in Can Tho), das direkt am Mekong liegt und wo man auf kleinen Inseln auf einem See isst. Anschließend fuhren wir in die WG der drei anderen Freiwilligen, wo dann auch noch die anderen hinkamen. Ein bisschen neidisch wird man schon, wenn man sieht, wie sie sich einrichten können und wir hier nur übergangsweise leben.
Um etwa 11 Uhr fuhren wir zurück und es war schwierig, überhaupt ein Taxi zu bekommen. Als wir um halb 12 hier ankamen, war das Haus zu. Eigentlich wurde uns am Anfang gesagt, dass wir einen Hausschlüssel hätten, aber das Haus war von innen mit einem Schloss abgeschlossen. Nach einigen Telefonaten und entschiedenem Rütteln an der Tür kam unser Vermieter herunter. In Zukunft werden wir um 10 Uhr wieder hier sein müssen, was ja kein Problem ist, was man aber einfach wissen muss. Mir war die Situation sehr unangenehm, weil ich mich gerne hier in die Kultur und das Leben eingliedern möchte, aber wir wirklich nicht wussten, dass um halb 12 alles dicht ist und man keine Möglichkeit mehr hat, in das Haus zu kommen. Danach schlief ich leider viel zu spät ein, sodass ich heute morgen um 8 Uhr meinen Wecker ausstellte und noch bis halb 10 weiterschlief. Das Schlafen hier ist nämlich ziemlich bequem, weil die Betten so groß sind. Und unter dem Moskitonetz habe ich auch gar keine Angst vor Tieren wie Kakerlaken etc. ;)
Nach dem Duschen wollte ich eigentlich mein Fahrrad reparieren lassen, fand aber keinen Fahrradladen. Also ging ich "Frustobstshoppen". Gestern waren wir schon durch eine Straße gelaufen mit vielen Obstverkäufern, wo es nicht so touristisch aussieht und von daher auch etwas billiger sein dürfte. Das war es in der Tat. Am Anfang war ich total perplex, als die erste Verkäuferin für ein Bund Bananen nur 7000 Dong haben wollte - ich hatte am Anfang wirklich gedacht, ich hätte sie falsch verstanden und sie wollte 70000. Neben den Bananen habe ich jetzt eine Ananas, die so wahnsinnig gut riecht, eine Papaya und ein paar Litschis zu Hause - ich glaube, ich kann mich hier wirklich ein Jahr lang von Obst ernähren.
Danach bin ich zurückgegangen und sitze seitdem auf dem Balkon. Gleich werde ich etwas essen gehen, bevor wir um 2 Uhr in der Schule sein müssen. Wir werden uns heute und morgen Nachmittag den Unterricht anschauen, bevor wir am Montag richtig anfangen zu arbeiten. Ich bin schon sehr gespannt darauf!!
Eure Clara

Montag, 28. September 2009

Schneller Gruß aus Can Tho

Jetzt melde ich mich mal kurz aus Can Tho. Leider haben wir in unserer derzeitigen Unterkunft kein Internet, weshalb ich im Moment bei einer Freiwilligen am PC bin, die im Hotel wohnt und morgen in ihr Projekt fahren wird. Diese Zeit im Internet ist aber natürlich begrenzt...
Deswegen sage ich Euch nur, dass ich gut angekommen bin, aber noch Zeit brauche, um mich an diese Stadt zu gewöhnen. Es ist wieder alles so neu, dass einen Kleinigkeiten aus der Bahn werfen. So war es für mich gestern im Flugzeug schwierig zu verkraften, dass wir den ersten Monat in Zimmern bei einer vietnamesischen Familie untergebracht sein werden, bevor wir in unsere endgültige Wohnung kommen. Ich mache mir auch Sorgen um mein Fahrrad, das ich heute für ein Jahr geliehen habe und das etwas kaputt ist. Die Lehrerin unserer Schule war mit uns dort, aber sie hat, glaube ich, nichts verstanden von dem, was ich sie fragen wollte. Heute morgen waren wir nämlich schon in unserer Schule und hatten ein Gespräch. Insgesamt gefällt mir die Schule sehr gut, womit wir schon bei den positiven Aspekten der letzten Stunden wären. Ich freue mich sehr auf meine Arbeit, die Stadt hat auch ihre Vorteile, weil sie im Gegensatz zu Hanoi fast wie ein Dorf wirkt, es ist sicherlich auch eine interessante Erfahrung, eine Zeit lang in einer Gastfamilie zu leben und eben habe ich erfahren, dass es Leute gibt, die Englisch verstehen. Im Hotel hat mich ein vietnamesischer Student angesprochen, der mir, wenn ich will, etwas die Stadt zeigen will. Wenn ich also bald die Stadt besser kennengelernt haben werde, wird es sicherlich eine schöne und unvergessliche Zeit hier!
Ich werde mich bald wieder melden und nähere Eindrücke berichten!
Eure Clara

Sonntag, 27. September 2009

Vietnamesisches Fondue und Wahlparty

Guten Morgen! Ich sitze gerade hier an meinem letzten Morgen in Hanoi und nutze das kostenlose Internet unseres Gästehauses - wer weiß, wie es in Can Tho mit Internet aussehen wird...
Deshalb möchte ich jetzt noch ein wenig von meinem gestrigen Tag erzählen. Um 10 Uhr haben wir uns mit einigen unserer vietnamesischen Tandemstudenten getroffen, um "Lau" essen zu gehen -eine Art vietnamesisches Fondue. In der Nähe des Literaturtempels gingen wir in ein Restaurant. Hier funktioniert Fondue allerdings so, dass man einen Topf in der Mitte des Tisches hat, in den alle Zutaten hineingeworfen werden und die man sich mit Stäbchen herausfischt, wenn sie fertig sind und man sie essen möchte. Ich saß an dem vegetarischen Fonduetopf, wodurch mir verschiedene Fischsorten, die von Aal über Garnele bis hin zu Muscheln reichten, leider größtenteils verwehrt blieben, aber wir hatten leckeres Gemüse. Wir aßen ziemlich lange und während des Essens schlugen die Vietnamesen vor, noch in ein Cafe zu gehen. Am Anfang war ich davon nicht so begeistert, weil ich noch in der Altstadt durch die Läden gehen wollte und etwas Ruhe wollte, bevor abends die Wahlparty losging. Aber mir fiel es auch schwer, nein zu sagen, weil sie so gerne noch mit uns ins Cafe wollten. Also fuhren wir gemeinsam in die Altstadt und tranken etwas in einem Cafe, das total versteckt war. Um dorthin zu kommen, musste man erstmal durch einen dunklen und engen Gang gehen und dann noch diverse Treppen. Aber es war ganz schön. Wir sind dann relativ bald aufgebrochen, um noch etwas durch die Altstadt zu laufen. Dabei habe ich eine kleine Tasche für meinen Fotoapparat erstanden und einen Seidenschlafsack, den ich noch auf fast die Hälfte heruntergehandelt habe, was ihn fast noch wertvoller für mich macht. ;) In der Altstadt kamen wir am Ende an einem Stand mit Kokosnüssen zum Trinken vorbei. Da es ein Tipp meiner Eltern gewesen war, das mal zu trinken, musste ich es sozusagen an meinem letzten Tag noch mal ausprobieren und wurde leider sehr enttäuscht. Mein Geschmack ist es sicherlich nicht, aber ich weiß jetzt immerhin, wie es schmeckt. Nach einem letzten Eis verabschiedeten wir uns von der Altstadt und fuhren zurück zum Gästehaus. Dort habe ich mich eine Weile hingelegt, bevor ich anfangen musste zu packen. Zu dem Zeitpunkt war ich noch relativ zufrieden, weil die Hälfte meiner Sachen noch fehlte oder ich noch nicht an sie dachte...Ich machte mich dann fertig für die Wahlparty, zu der wir um 8 Uhr mit dem Bus losfuhren. An der Bushaltestelle war ein sehr aufdringlicher Vietnamese, der teilweise die Steine aus dem Boden nahm und wir manchmal Angst hatten, er wollte/könnte uns etwas antun. Von daher war es gut, als endlich der Bus kam! Bei der Deutschen Botschaft standen schon einige Leute am Eingang. Ich hätte nicht erwartet, wie streng sie dort nach der Gästeliste gehen und wirklich nur die einlassen, die auf der Gästeliste stehen. Es gab sogar einige Sicherheitsbeamte, an denen jeder vorbei musste.
Die Deutsche Botschaft war geschmückt mit den Deutschen Farben, es gab Würstchen mit Kartoffelsalat und überall standen Deutsche. Das war schon fast ungewohnt, aber irgendwie auch schön, weil man es so lange nicht mehr hatte. Um 11 Uhr wurden die ersten Wahlergebnisse übertragen und ich fühlte mich meiner Heimat so nah, weil ich mich daran erinnerte, wie viele von Euch in dem Moment sicherlich auch die ersten Wahlergebnisse verfolgt haben.
Nach einer Weile leerte sich die Botschaft ziemlich und ich beschloss mit einer anderen Freiwilligen, nach Hause zu laufen. Wir liefen etwa eine Stunde durch ein fast ganz leeres Hanoi, was echt ungewohnt war, aber auch total angenehm. Sonst muss man immer diversen Menschen, Ständen oder Fahrzeugen ausweichen; gestern konnten wir einfach ganz entspannt nebeneinander herlaufen. Um Viertel vor 1 war ich zurück im Gästehaus und konnte auf einen wirklich sehr schönen letzten Tag zurückblicken.
Jetzt sitze ich hier und bin etwas wehmütig, Hanoi verlassen zu müssen. So "schrecklich" ich es am Anfang auch fand - es ist mir ans Herz gewachsen mit seinem Gestank, dem vielen Verkehr und dem Dreck. Aber gleichzeitig freue ich mich auch wahnsinnig auf Can Tho und meine Arbeit dort. Wenn ich jetzt noch mein ganzes Gepäck in meinen Rucksack bekomme (im Zweifelsfall wird er in Kürze noch mal ausgepackt...), bin ich glücklich und zufrieden, eine solche Zeit wie die letzten vier Wochen erlebt haben zu dürfen und jetzt noch eine neue Stadt kennenlernen zu dürfen.
Ich melde mich aus Can Tho wieder!
Eure Clara